Der Zeidler

Geschrieben vom Imker aber nicht für Imker, sondern für Menschen die sich für Bienen interessieren. Deshalb halte ich mich mit wissenschaftlichen Ausdrücken zurück und wähle eine verständliche Sprache.

Bilder die uns von den Höhlenmenschen hinterlassen wurden zeigten uns Personen, die Honig von wilden Bienen sammelten. 
Seit dem Mittelalter kennen wir den Beruf des Zeidlers. Der Zeidler bekam vom Adel die Genehmigung in den Wäldern den Honig und das Bienenwachs von wilden Bienen zu sammeln. Er musste dem Adel natürlich für diese Erlaubnis zahlen. Aber das ist uns ja heute auch nicht fremd. 
Der Zeidler war im Mittelalter bei Hofe und der Kirche hoch angesehen. Er stand gesellschaftlich über dem Bauern, lieferte er doch das einzige Süßungsmittel. Rohr- und Rübenzucker waren noch unbekannt. Die arme Bevölkerung hatte als einzige Beleuchtung Kienspäne aus harzreichen Nadelhölzern oder stinkende und rußende Talglichter zur Verfügung. Bei Hofe, in Kirchen und Klöstern liebte man den Schein der Bienenwachskerzen. 
Der Zeidler hatte aber nicht nur Freunde in den Wäldern. Der Bär liebte auch den frischen Honig. Und so kam es des öfteren zu Interessenkonflikten. 
Aus diesem Grund erlaubte der Adel dem Zeidler das Tragen von Waffen. Auf alten Bildern sind die Zeidler mit einer Armbrust abgebildet. Bauern und Schäfer hatten nicht das Recht eine Waffe zu tragen, obwohl sie sicher auch bei ihren Herden mit Wölfen und Bären  Kontakt bekamen. 
Die Berufsbezeichnung Zeidler stammt vielleicht von dem Zeichen, mit dem dieser im Wald hohle Bäume mit einem Bienenvolk als sein persönliches Eigentum kennzeichnete. 
Es gab in der damaligen Zeit schon große Versammlungen dieses Berufstandes in Nürnberg. Es wurden Zeidlergesetze erlassen. Man war nicht zimperlich, wenn jemand aus einem „gezeichneten“ Baum den Honig entnahm. Der Zeidler durfte den Dieb an Ort und Stelle am nächsten Baum aufknüpfen. 
Im Gegenzug musste er aber auch einem Menschen, der sich im Wald verirrt hatte, Nahrung und Wasser geben. Das war in dieser Zeit nicht überall und immer selbstverständlich! 
Der Familienname Zeidler entstammt also aus der Berufsbezeichnung des mittelalterlichen Imkers. 
Die Honigentnahme aus hohlen Bäumen war sehr schwierig. Der Zeidler schlug meist von der Rückseite des Baumes ein Loch in den Stamm. Hierbei bediente er sich eines speziellen Zeidlerbeiles, das sehr leicht und schlank war, um die Erschütterungen im Baum so gering wie möglich zu halten. 
Nach der Entnahme der Honigwaben wurde das Loch mit einem Stück Holz und Harz verschlossen. Die nächste Ernte ging dann sicher schon etwas leichter. 
Bei all diesen Arbeiten muss man bedenken, dass die Bienen früher viel aggressiver und stechlustiger waren, als unsere heutigen Züchtungen. 
Irgendwann hat man sicher auch einmal ein Stück von einem Baumstamm mit einem Bienenvolk nach Hause genommen. Nachdem dieser erste Schritt getan war, musste man nicht mehr die Völker im Wald suchen, sondern man stellte diese an geeigneten Stellen auf. So verlagerte sich im Laufe der Zeit die Zeidlerei aus den tiefen Wäldern in die Nähe der Siedlungen. Man hatte erkannt, dass nicht nur der Schwarm, sondern auch das geschickte Teilen des Volkes zur Völkervermehrung führte. Von diesem Zeitpunkt an kann man von Bienenzucht sprechen. Waren die ersten Bienenwohnungen noch hohle Bäume, so wurden bald Baumstücke mit Äxten und Werkzeugen ausgehöhlt und mit Klappen für die Honigentnahme versehen. Diese alten Klotzbeuten die man noch in Bienenmuseen findet, sind oft kunstvoll geschnitzt und bemalt. 
Um das Wort Klotzbeute zu erklären; von einer Beute spricht der Imker, wenn er die Behausung der Biene, also den Bienenkasten meint. Man könnte ja denken die Honigernte sei die „Beute“, aber wer so imkert, dass er die Bienenvölker ausbeutet, hat nicht lange Freude an der Imkerei. Scheinerfolge durch zu starken Honigentnahme führen bei den Völkern zu Unterversorgung und rächen sich bitter.

Vom Schwärmen

Schwärmen ist schön, schwärmen verbreitet ein Glücksgefühl. Aber das Größte ist für mich das Schwärmen vom Schwarm. 
Auch als gestandener Imker ist für mich die Faszination eines Bienenschwarms immer noch sehr groß. 
Wer es einmal, auch als Nichtimker miterlebt hat, wenn sich praktisch der Himmel verdunkelt, wenn dreißig-, vierzigtausend Bienen im wilden Tanz umherschwirren, der kommt sich doch manchmal sehr klein vor im Räderwerk der Natur. 
Wem natürlich die Weltordnung über Alles geht, für den ist es Chaos, Anarchie und Apokalypse in einem. Man schreit nach Polizei, Feuerwehr und ähnlichen Hilfsorganisationen. Vorschläge wie man mit Gift, Gas und Feuer und vielleicht auch mit Gesetzen diesem Chaos Einhalt gebieten kann, werden gemacht. Und dieser ganze Aufstand nur, weil man als Fußgänger schon einmal die Straßenseite wechseln und als Autofahrer eine kleine Wegstrecke im Schritttempo fahren musste. 
Doch nun die große Frage: „Warum schwärmen die Bienen?“

Bei fast allen Tieren verlassen einzelne Mitglieder den Familienverband und bekommen mit neuen Partnern Nachkommen. 
Bienen können sich eigentlich nur durch Volksteilung vermehren. Es ist unmöglich mit zwei Bienen eine Zucht anzufangen, obwohl so mancher ein gutes Geschäft mit „einer Biene“ aufgebaut hat. 
Das Bienenvolk muss man als Familie betrachten in der es zeitweise Väter gibt. Die Bienenkönigin, auch Weisel genannt, legt im Frühsommer täglich 2.000-2.500 Eier. Das ist das 1 1/2fache des Körpergewichtes der Königin. Die Völker entwickeln sich sehr stark. 60.000-80.000 Bienen sind dann in einem Bienenkasten. Damit beginnt das Problem. Die Königin muss neben ihrem Eierlege-Job auch noch für den Zusammenhalt in der Familie sorgen. Hierbei hilft ihr ein besonderer Geruchsstoff. Dieser Stoff wird vom Hofstaat aufgenommen und von Biene zu Biene weitergegeben. An diesem Stoff erkennen die Bienen ihre Königin, den Kasten und sich auch gegenseitig. Aber es ist wie mit allem im Leben. Alles was nur begrenzt zur Verfügung steht, wird durch Teilung für den Einzelnen immer geringer. Ich vergleiche das gerne mit einer Mutter, die ihren Kindern täglich über den Kopf streichelt und ihnen das Gefühl gibt, besonders geliebt zu werden. Wenn diese Streicheleinheiten aber immer geringer und seltener werden, gehen viele Kinder auf eine gewisse Distanz zu ihrer Mutter. 
Ich will damit nicht sagen, dass Kinder, die früh die Familie verlassen, keine leistungsfähige Mutter haben. Aber als Beispiel könnte ich jetzt eine leistungsfähige Königin mit einer Mutter vergleichen, die auch in einer Großfamilie zum Teil über drei Generationen einen Familienverband aufrecht erhält. 
Jetzt hat es aber genug „gemenschelt“. 
Dieser Geruchsstoff erreicht also die letzten Bienen nicht mehr in ausreichender Menge. Der Zusammenhalt droht verloren zu gehen. Eine Revolte beginnt. 
Die Revoluzzer bauen mehrere spezielle Wachszellen. Diese sind etwas größer als normale Zellen und im Gegensatz zu diesen nicht waagerecht sondern senkrecht hängend. Die Königin merkt, dass eine Revolte im Gang ist. Aber aus Sorge um das ganze Volk legt sie in diese Zellen ganz normale Eier. Aus normalen Bieneneiern wird nur durch Fütterung mit Gelèe Royale in der Rekordzeit von 16 Tagen eine Königin. Man vergleiche: Arbeitsbienen 21 Tage und Drohnen 24 Tage. Nun endlich rückt der Tag des Schwarmes näher. 
Die Königinnenzellen sind mit Wachsdeckeln verschlossen. In den geschlossenen Zellen findet die Umwandlung der Maden zu Königinnen statt. 
Die alte Königin wurde von ihrem Hofstaat auf eine leichte Diät gesetzt, um ihre Flugleistungen zu verbessern. 
  
Ein schöner, sonniger Vormittag lässt den Imker, der seine Völker beobachtet, schon etwas ahnen. Der Flugbetrieb ist nicht mehr so eifrig. Die Bienen lungern mehr oder weniger am Rollfeld des Flughafens, Verzeihung ich wollte sagen auf dem Flugbrett des Kastens herum. Es sieht so aus, als wenn man nicht genau wüsste ob man den Flug für heute oder erst für morgen gebucht hat. 
Doch plötzlich wird gestartet. 
Alle versuchen möglichst gleichzeitig den Kasten zu verlassen. Ein Strom von Tausenden von Bienen ergießt sich über das Flugbrett und schwingt sich in die Luft. Beschreiben kann man so etwas nur schlecht. Es ist wirklich schade, dass man als Nichtimker so etwas kaum zu sehen bekommt. Die Luft ist von einem starkem Brausen erfüllt. 
Nachdem dieses Schauspiel einige Minuten angedauert hat, zeigt sich eine gewisse Verdichtung und Verlagerung das Schwarmes in Richtung eines Baumes an. 
In früheren Zeiten versuchte man durch Trommeln, Trompeten und Lärm jeder Art den Schwarm zum Festsetzen zubringen. Man sollte sich die Bilder von Wilhelm Busch einmal genau anschauen. Wahrscheinlich sollte den Bienen ein künstliches Gewitter vorgegaukelt werden. Das einzige was hilft, ist eine gut gefüllte Gartenspritze oder ein Wasserschlauch. Dieser künstliche Regen, behutsam eingesetzt, beschleunigt das Festsetzen der Bienen ungemein. 
Unser Schwarm hat sich schnell an einen Baum als Traube an einem Ast niedergelassen. Für die Bienen ist es nur ein Zwischenstopp zum Sammeln, bevor die Reise über eine größere Entfernung losgeht. 
Mit diesem Sammelplatz bin ich als Imker sehr zufrieden. Der Schwarm hängt praktisch in Augenhöhe. Die Vorraussetzungen sind gut, dass er mir nicht noch im letzten Moment entwischt. Mit einer Wasserspritze sprühe ich den Schwarm vorsichtig ein. Die Bienen ziehen sich enger zusammen und bilden an der Schwarmtraube mit ihren Flügeln eine wasserableitende Oberfläche, die wie Tausende kleiner Dachziegel aussieht und auch so funktioniert. 
Hier an dieser Stelle muss ich eine Geschichte einflechten. 
Ich wurde vor einigen Jahren in einen Nachbarort gerufen. Im Garten hing ein Schwarm in geringer Höhe. Die Gartenbesitzerin war in heller Aufregung, ganz im Gegensatz zu den Bienen. Es war gegen Abend und der Schwarm hatte sich schon für die Nacht zusammengezogen. Ich konnte die Dame beruhigen, indem ich mich ohne Rüstung und Waffen dem Schwarm näherte. Ich demonstrierte die Friedfertigkeit  der Schwarmbienen indem ich mit dem Handrücken vorsichtig über die Bienen streichelte. Glauben sie mir, es ist ein wunderschönes Gefühl, diese zarten Flügel zu streicheln. 
Zwar musste ich all meine Überredungskunst aufwenden, aber ich hatte Erfolg. Die Dame folgte zögerlich meinem Beispiel. Ihr begeisterter Kommentar: „Das werde ich meinen Kindern und Kindeskindern noch erzählen.“ 
Aber nun zurück zu meinem Schwarm. 
Ich befeuchte die Schwarmtraube noch einmal etwas stärker. Der Ast biegt sich schon bedenklich. Jetzt wird ein Schwarmfangkasten unter den Schwarm gehalten. Ein kurzer Ruck an dem Ast, und die Traube liegt im Kasten. Jetzt wird ohne Hektik der Deckel aufgelegt und der Schwarmfangkasten mit geöffnetem Flugloch in der Nähe im Schatten aufgestellt. Nun kommen die aufregendsten  Minuten. Ist die Königin im Kasten? Durch das Abschütteln sind jetzt wieder viele Bienen in der Luft. Sie sammeln sich an dem Platz, an dem der Schwarm hing. Es ist aber im Vergleich zu vorher nur ein kleines Schwärmchen. Vom Volumen nicht größer als ein Liter. Es folgen einige spannende Minuten. Aus dem Fluchloch fliegen Bienen und umkreisen den Kasten. Ein Austausch vom Kasten zum Restschwarm ist im Gange. Plötzlich kehrt sich der Trend um. Es fliegen mehr Bienen ein als aus und auch der Rest Bienen am Baum hat den neuen Aufenthaltsort der Königin entdeckt. Er zieht zu der Königin in den Schwarmfangkasten ein. 
Dadurch, dass ich den Schwarm vor der großen Reise wieder eingefangen habe, brauchten die Bienen sich keine neue Bleibe zu suchen. An die neue Wohnung stellen die Bienen auch gewissen Anforderungen. Ideal ist ein trockener Hohlraum vom 10-40 Liter Volumen. Die Biene braucht eine Mindestgröße, um genügend Futter für den Winter bevorraten zu können. Er darf auch nicht zu groß sein, sonst wäre ein Warmhalten im Winter nicht möglich. Das Flugloch darf nicht zu groß sein damit die Bienen sich verteidigen können. Ideal sind alte Bäume, aber in unserer kultivierten Natur sind solche natürlichen Bienenwohnungen selten. Jetzt fragen sie sich sicher wie kann eine kleine Biene erkennen, ob die Wohnung in der Größe passt? Schon vor dem Schwärmen, aber spätestens bei diesem Zwischenstopp werden Kundschafterinnen ausgeschickt. Diese ermitteln durch Ablaufen der Innenwände in Längs- und Querrichtung die Größe der Höhle. Sie fliegen zurück zum Schwarm und begeistern einige ihrer Kolleginnen die die Sache durch Augenschein überprüfen. Gemeinsam überzeugt man das Volk. 
Der Umzug geht dann ganz schnell. Jetzt ist der Schwarm in den meisten Fällen für den Imker verloren.

Etwas besonderes ist das Bienengedächtnis beim Schwarm. Bienenkästen darf man täglich nur etwa eine Handbreit verstellen. Ihr Navigationssystem hat die Koordinaten des Bienenkasten gespeichert. Der letzte halbe Meter wird auf Sicht geflogen. Nur wenn man ein Bienenvolk im Sommer mindestens drei Wochen lang aus dem bisherigen Flugkreis (etwa zwei Kilometer im Durchmesser) entfernt, kann man den Kasten verstellen. Sonst fliegen sie immer wieder an den alten Platz zurück. Beim Schwarm wird das Altgedächtnis gelöscht. Den neu gefangenen Schwarm kann man ohne Bedenken neben das abgeschwärmte Volk stellen. Die Bienen fliegen sich neu ein. Sie verhalten sich so, als wären sie das erste Mal in dieser Gegend. Keine fliegt zurück in den alten Kasten. Das ist schon phantastisch von der Natur eingerichtet. Wenn aber die Königin beim Schwärmen durch irgendetwas zu Schaden kommt, dann wird seltsamer Weise das Altgedächtnis wieder aktiviert und der Schwarm fliegt in den alten Kasten zurück. 
Aber vor lauter Begeisterung ihnen das Schwärmen zu schildern, haben wir das abgeschwärmte Volk vergessen. 
In dem abgeschwärmten Volk ist inzwischen wieder Ruhe eingekehrt. Die erste der neuen Königinnen ist geschlüpft. Die frisch geschlüpfte Königin gibt nun eine Art Lockruf ab. Die anderen jungen Königinnen antworten aus den noch geschlossenen Zellen. Diese Antwort ist tödlich. Die Erstgeschlüpfte eilt sofort zu diesen Zellen und tötet ihre Rivalinnen mit einem Stich. 
Es mag vielleicht für uns grausam erscheinen. Es geschieht aber um den Fortbestand des Volkes zu sichern. 
Die Bienen haben zur Sicherheit vor dem Schwärmen mehrere Königinnen gezogen. Würden aber jetzt alle schlüpfen und jede mit einem Schwarm den Stock verlassen, hätte keiner dieser Minischwärme eine Überlebenschance. Wenn es in dieser Art abläuft, ist es sozusagen der Normalfall. Es gibt natürlich auch die Möglichkeit, dass eine Jungkönigin den tödlichen Ruf nicht hört. Diese Königin schlüpft dann etwas später. Es geht noch einmal ein sogenannter Nachschwarm aus dem Volk. 
Die unbegattete Königin ist für das Volk noch wertlos. Zwar kann eine unbegattete Königin auch Eier legen, aber aus diesen Eiern können nur männliche Bienen, die Drohnen schlüpfen. 
Ich merke schon, dass jetzt einige Zweifel aufkommen. Ja sie haben richtig verstanden, ein Drohn entsteht aus einem unbefruchteten Ei! 
Aber nun der Reihe nach. 
Die noch jungfräuliche Königin startet 3-4 Tage nach dem Schlüpfen zum sogenannten Begattungsflug. Und da dieses Treffen mit den Drohnen nicht bei jedem Wetter stattfinden kann, braucht es auch, wie der Imker sagt, „Begattungswetter“. Wenn also in den paar Tagen, in denen die Königin brunftig ist, das Wetter stimmt, kann die Paarung hoch in der Luft stattfinden. Sie macht 2-3 Ausflüge auf denen sie sich mit mehreren Drohnen paart. Hierbei speichert sie den Samenvorrat für ihr ganzes Leben. Eine Königin bleibt normalerweise 4-5 Jahre legefähig. 
Für den Drohn endet der Begattungsflug mit dem Tod. Er verhakt sich und reißt beim Versuch der Trennung, sein Geschlechtsteil ab und stirbt. 
Die Königin beginnt nun nach einigen Tagen mit der Eiablage und sorgt für den Fortbestand des Volkes. 
Eins haben wir hier noch nicht geklärt. Wie entstehen die weiblichen Arbeitsbienen und die männlichen Drohnen. 
Die Königin kann gezielt befruchtete und unbefruchtete Eier legen. Sie entscheidet bei jedem Ei, ob es in der Legeröhre Kontakt zu ihrem gespeicherten Samen bekommt. Weibliche Arbeitsbienen entstehen aus einem befruchteten Ei. Männliche Drohnen entstehen aus einem unbefruchtetem Ei. Also hat ein Drohn keinen Vater sondern nur einen Großvater. Es klingt zwar seltsam, aber es ist so. 

Drohnen, die bei der Hochzeit nicht zum Zuge gekommen sind, können nun einen herrlichen Sommer verbringen. Sie wissen eben noch nicht, was ihnen im Herbst bevorsteht. Drohnen vagabundieren den ganzen Sommer von Bienenvolk zu Bienenvolk. Sie werden überall gern aufgenommen und versorgt. 
Der Schriftsteller Alexander Spoerl hat einmal in seinem Buch über Bienen den Drohn als „fliegenden Penis“ bezeichnet. Ich meine das wäre doch sehr hart. Aber Playboys sind es schon. Drohnen sind wahre Flugmaschinen, sie legen problemlos etliche Kilometer zurück. Dabei können sie auch eine Zwischenübernachtung in einem fremden Volk machen. Es wurden schon Drohnen 50 Kilometer von ihrem Heimatstand gesehen. 
Im Sommer halten sich die Völker die Drohnen zur Reserve, falls der Königin etwas passiert. Diese Sicherheit gibt den Völkern eine gewisse Ruhe und spornt zu erhöhten Sammelleistungen an. 
Man hat Versuche mit drohnenfreien Völkern gemacht. Der Honigertrag wurde, obwohl die „unnützen Fresser“ aus dem Stock waren, nicht höher. Im Gegenteil er sank stark ab. Die weiblichen Arbeiterinnen vermissten die Stimulation der Männer. Einige Männer unter den Lesern träumen jetzt sicher davon, ein menschlicher Drohn zu sein. 
Um es mit Wilhelm Busch zu sagen: „Wehe, Wehe wenn ich auf das Ende sehe“. Ende August bis Anfang September beginnt die große Drohnenschlacht. Als Mann wiederstrebt es mir fast, vom traurigen Ende dieser friedfertiger Gesellen zu berichten. Da Drohnen keinen Stachel besitzen, haben sie niemanden im Leben ein Leid angetan. Aber die Bienen können sich über Winter keine unnützen Fresser leisten. Die Fütterung der Drohnen wird eingestellt. An den Fluglöchern werden sie nicht mehr eingelassen. Manche werden von den Arbeiterinnen im Nacken gepackt und aus dem Stock geritten. Ganz widerspenstige Exemplare werden durch Stiche getötet und entsorgt. Diese Aktion nennt sich Drohnenschlacht. Noch nicht eines dieser doch im Sommer so wichtigen und beliebten Kerlchen übersteht dieses Massaker.

Die Bienensprache ist der Schwänzeltanz. Mit diesem Tanz wird die Richtung der Futterquelle , die Entfernung, die Ergiebigkeit und auch Windverhältnisse übermittelt. Man denkt normalerweise, dass Entfernung und Ergiebigkeit genügen. Das ist aber nur zum Teil richtig. Am Besten vermenschliche ich das Problem. Wenn es an einer Tankstelle, die weiter entfernt liegt, preiswertes Benzin gibt, muss ich meine Tankfahrt so einrichten, dass ich mit möglichst leerem Tank dort ankomme. Nun tanke ich voll, um viel preiswertes Benzin zu Hause zu haben. Ist die Entfernung aber zu groß, bleibt nicht mehr viel übrig. Mit dem Rest komme ich gerade wieder zur Tankstelle. Es rechnet sich nicht. Bei den Bienen ist es ähnlich. Um möglichst viel Honig in den Kasten zu bringen, darf die Biene nicht mit vollem Honigbauch starten. Deshalb ist es wichtig, dass sie vor dem Start weiß, wie viel sie braucht. Gegen- oder Rückenwind werden berücksichtigt. Das erklärt die Wichtigkeit der Information über die Windverhältnisse.
Im Bienenvolk muss es aber noch mehr Informationen geben. So müssen die Sammelbienen wissen, was im Stock am dringensten gebraucht wird. Nehmen wir zum Beispiel einen schönen warmen Tag. Die Bienen fliegen in den Vormittagsstunden und sammeln Nektar. Der Bienenkasten steht in der Sonne und heizt sich langsam auf. Mit dem eingetragenen Nektar kommt nicht mehr genug Wasser in den Stock. Eine gefährliche Situation könnte entstehen. Jetzt wird dringend Wasser zur Kühlung gebraucht. Die Information wird den Bienen an der Entladestelle, sagen wir Rampe, mitgeteilt. Plötzlich werden die Nektarsammler nicht mehr so freundlich begrüßt und schnell entladen. Aber die wenigen Wasserträger, die auch immer unterwegs sind, werden bevorzugt abgefertigt. Die Nektarsammlerinnen merken, dass sie im Moment die falsche Fracht an die Rampe bringen. Sie stellen sich beim nächsten Flug um und bringen solange Wasser, bis die Überhitzungsgefahr gebannt ist. Eine große Katastrophe für das Bienenvolk konnte abgewendet werden. 
Bald aber stehen die Wassersammlerinnen in der Warteschlange. Das Volk sammelt kurze Zeit später wieder Nektar. 
Wichtig ist auch die Information in der Wintertraube. Im strengen Winter sitzen die Bienen in einer Kugelform, um der Kälte möglichst wenig Angriffsfläche zu geben. Die Königin und die Jungbienen vom Herbst sitzen in der Mitte. Die Älteren Bienen sitzen in den Randschichten. Die Bienen im Inneren dieser Kugel heizen durch Futteraufnahme und Muskelbewegungen diesen Bereich auf. Die äußeren Bienen würden im Laufe der Zeit durch die Kälte erstarren, herunterfallen und sterben. Um das zu vermeiden, dürfen die Altbienen, wenn es kritisch wird, in das Innere um sich aufzuwärmen. Solange also Bienen mit kalten Füßen unter die Bettdecke kommen, wird im Inneren der Kugel geheizt. Ist das nicht mehr der Fall, wird die Heizung abgestellt, um Energie zu sparen. 
Bienen halten keinen Winterschlaf. Sie überbrücken so die Zeit bis zum Frühling.

Bei Gelegenheit gibt es eine Fortsetzung der Bienengeschichte. 

 

Imkerei

Marie Louise Göbel

Am Hensberg 12

57647 Nistertal

02661/8622

 

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